Ereignisbericht lesen

    



 Schweigepflicht gegenĂŒber AngehörigenRiskoeinschätzung
Bedeutung ⁄ Schweregradpotentiell gefährlich / keine AngabeHäufigkeitnur dieses mal
Riskiko / Schwere: 5  ∼   Häufigkeit: 1
Rolle im EreignisPflegekraft / keine AngabeBerufserfahrungmehr als 5 Jahre
PatientenzustandPatient ist geistig und körperlich fit, kann sich artikulieren. Patient war wach und die ganze Zeit ansprechbar, wÀhrend der Situation.
Wichtige BegleitumständePatient erhielt an diesem Tag einige Medikamente, durch welche er aus juristischer Sicht als nicht geschĂ€ftsfĂ€hig gilt. Außerhalb der Regelarbeitszeit, nur ein diensthabender Arzt fĂŒr das ganze Haus.
Fallbeschreibung

(Was, Warum, Kofaktoren, Maßnahmen, Verlauf, Epikrise)

Der Patient erhielt einen endoskopischen Eingriff, hatte Fieber. Durch fiebersenkende Medikamente war die Temperatur beim letzten Mal vor der Situation im Normalbereich und der Patient antwortete auf Nachfrage, dass alles in Ordnung sei. Er berichtete mir von einem Ereignis, an das er sich erinnert hat, welches mit mir und dem Patienten ca. eine halbe Stunde vor dem endoskopischen Eingriff stattfand.
Da der Patient lĂ€utet, betrat ich das Patientenzimmer, die periphere VenenverweilkanĂŒle war para und da der Patient einige Zeit davor eine Blutabnahme und eine Neue erhalten hat, wechselte ich erst die Infusion und informierte den Patienten auch hierĂŒber. Nachdem ich diese Handlung abgeschlossen habe, trat einer der Besucher, welcher neben dem Bett des Patienten stand vor mich, er wirkte auf mich schon sehr aufgebracht und wollte wissen, was denn mit ihm gemacht worden sei. Ich habe mich im Rahmen meiner Schweigepflicht dann dahingehend geĂ€ußert, dass ich zur Weitergabe medizinischer Informationen nicht befugt sei. DarĂŒber zeigte sich dieser Besucher Ă€ußerst verĂ€rgert. Ich wies ihn daraufhin, dass der Patient durch den Arzt darĂŒber aufgeklĂ€rt worden sei, was mit ihm gemacht wurde, und bat, diesen zu fragen. Daraufhin meinte er, der Patient wisse dies nicht. Beim Fortfahren meiner TĂ€tigkeiten wurde der Wunsch nach Akteneinsicht an mich herangetragen. Im Rahmen des Verbotes das schriftlich gegeben wurde in unserem Haus, dass ich als Pflegekraft nicht einmal die Akte bei einem richterlichen Beschluss selbst der Staatsanwaltschaft oder Polizei gegenĂŒber befugt sei herauszugeben und mich hierbei an höhere Stelle wenden mĂŒsse, da mir das nicht erlaubt sei. Dies teilte ich dem Besucher mit. Daraufhin wurde der Wunsch geĂ€ußert, die Akte dem Patienten auszuhĂ€ndigen. Da mir die Situation im Rahmen meiner Schweigepflicht und der damit verbundenen Verletzung meinerseits falls ich dies tun wĂŒrde und sich der Patient nicht einmal hierzu Ă€ußerte und keinen erkennbaren Willen zur Akteneinsicht zeigte, erklĂ€rte ich, dass ich hier erst RĂŒcksprache mit dem Arzt halten will. Zu betonen ist, in der ganzen Situation Ă€ußerte sich der Patient nicht ein einziges Mal zu dem Wunsch des Besuchers, antwortete jedoch, als ich ihn bat auf die Tupfer zu drĂŒcken nachdem ich eine VenenverweilkanĂŒle entfernt hatte. Im Rahmen des ganzen kam nun eine Beschwerde, ich wurde in der Beschwerde als patzig dargestellt.
Schlagwörter
Normalstation
Informationsfluss
ZustÀndigkeit
Leitlinien / SOPs
Was war besonders gut

(hat zur Abschwächung des Ereignisses oder zur Verhinderung geführt?)

Der Patient erhielt die richtige Therapie und es fĂŒhrte zu einer Besserung seiner Beschwerden.
Was war besonders ungünstig

(hat die Situation noch schlimmer gemacht)

Das auf mich Ă€ußerst bedrohliche Verhalten des Besuchers, welcher keinerlei VerstĂ€ndnis fĂŒr die mir auferlegte Schweigepflicht zu haben schien.
Eigener Ratschlag VorschlÀge...
 Gedanken zur Analyse und zu Präventionsmöglichkeiten
Im Alltag werden PflegekrĂ€fte immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. Angehörige möchten Informationen, welche sie von PflegekrĂ€ften nicht immer erhalten können. Die Weitergabe von Informationen ist nur möglich, wenn das EinverstĂ€ndnis des Patienten vorliegt. Es mĂŒssen Auskunftsberechtigte bestimmt werden. Eine mĂŒndliche Entbindung der Schweigepflicht kann nur im Beisein eines Zeugens erfolgen. Auskunftsberechtigt sind nahe Angehörige( Partner, Eltern, Kinder). In diesem Fall hĂ€tte der Patient den Angehörigen die Informationen selber mitteilen können, da er wach war. Sollte ein Patient nicht mehr in der Lage sein seinen Wunsch zu Ă€ußern muss vom mutmaßlichen Willen des Patienten ausgegangen werden.
Hilfreich ist fĂŒr Mitarbeiter sicherlich, wenn es in einer Klinik interne Standards gibt, an welche sich der Mitarbeiter halten kann und auf die er sich berufen kann.
In diesem Fall hat sich der wache Patient zu keiner Zeit an dem GesprĂ€ch beteiligt, deshalb könnte man auch davon ausgehen, dass er keine Information seines Besuchs wĂŒnscht.
Die Einsicht der Patientenakte, wie von dem Besucher gefordert, kann sowohl vom Patienten, als auch von einer Person seines Vertrauens oder einem Arzt wahrgenommen werden. Die Akteneinsicht ist ein zentrales Datenschutzrecht des Patienten. Das Recht besteht ohne dass ein besonderes Interesse erklÀrt oder nachgewiesen werden muss.
Die EinsichtsgewÀhrung erliegt im Ermessen des Arztes. Dieser legt den Ort, die Zeit und die UmstÀnde fest. Allerdings sollte der Zeitraum max. 4 Wochen betragen.
Die Einsicht der Akte findet immer im Beisein des Arztes statt ( Originalunterlagen) um eine Nachvollziehbarkeit etc. herzustellen.
 PaSIS-Analyse in einzelne Analyseeinheiten aufgegliedert
nur beschriebene Felder werden angezeigt

beitragender Faktor
Leitlinien, Prozeduren und Vereinbarungen - (Aufgabe ⁄ Maßnahmen)
In der Klinik gibt es eine Anweisung bezĂŒglich der Herausgabe von Patientenakten. An diese Anweisung hat sich der Mitarbeiter gehalten.

beitragender Faktor
Person / Individuum - (Person ⁄ Individuum)
Der Besucher zeigte wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr die BemĂŒhungen der Pflegekraft, die Schweigepflicht einzuhalten. Es kam zu einer Beschwerde an höherer Stelle.
 Hauptkategorien
 · 1 Analyseeinheit aus der Kategorie: Patient
 · 1 Analyseeinheit aus der Kategorie: Organisation
 · 1 Analyseeinheit aus der Kategorie: Aufgabe ⁄ Maßnahmen
 · 1 Analyseeinheit aus der Kategorie: Person ⁄ Individuum
 · 2 Analyseeinheiten aus der Kategorie: Kommunikation
 · 1 Analyseeinheit aus der Kategorie: Team und soziale Faktoren
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