Ereignisbericht lesen

    



 Aortendissektion mit Fehlleitsymptom HyperventilationRiskoeinschätzung
Bedeutung ⁄ Schweregradgefährlich ⁄ kritisch / negatives BeispielHäufigkeitweniger als ein mal pro Jahr
Riskiko / Schwere: 4  ∼   Häufigkeit: 2
Rolle im Ereigniskeine Angabe / keine AngabeBerufserfahrungweniger als 5 Jahre
Patientenzustandmittelalter Patient ohne Vorerkrankungen, sportlich
Wichtige BegleitumständeNotarzt- und RTW-Alarmierung wegen Infarktverdacht bei einem Radfahrer
Fallbeschreibung

(Was, Warum, Kofaktoren, Maßnahmen, Verlauf, Epikrise)

"W√§hrend einer Radtour pl√∂tzlich Kribbeln um den Mund, an beiden Beinen und in beiden ArmenSchlagwörter
Notfallmedizin
Rettungsdienst
Herz / Gefäße / Kreislauf
Was war besonders gut

(hat zur Abschwächung des Ereignisses oder zur Verhinderung geführt?)

begleitend retrosternaler Thoraxschmerz ohne Ausstrahlung (Symptom-Eintrittsreihenfolge nicht mehr erinnerlich, bei Eintreffen NA bereits kein Thoraxschmerz mehr berichtet). Patient erscheint im Vollbild einer Hyperventilation (persistierendes akrales / periorales Kribbeln, Pf√∂tchenstellung der H√§nde). Puls normofrequent, RR leicht hypoton, AF 28, SpO2 normwertig, etCO2 < 20 mm Hg (zwischen Maske und R√ľckatembeutel konnektiert)
Was war besonders ungünstig

(hat die Situation noch schlimmer gemacht)

12-Kanal-EKG mit normfr. SR, bis auf vereinzelte VES keine Auff√§lligkeiten). Im Verlauf allenfalls diskrete Symptombesserung (etCO2 unter R√ľckatmung leicht ansteigend
Eigener Ratschlag trotz Zuredens und verbaler Sedierungsversuche atmet der Patient weiterhin tief, wenn auch nicht mehr so schnell), Patient wird schließlich mit etwas Dormicum fraktioniert sediert und atmet dann ruhiger - jetzt allerdings als paradoxe Reaktion gedeutetes unruhiges Umherblicken ohne adäquate Antwort auf Fragen (bessert sich kurz später wieder). RR am re Arm gemessen bei mehrfachen Kontrollen leicht hypoton, HF bleibt normofrequent, auch anamnestisch Kein Hinweis auf Volumenmangel, dennoch zunächst 500 ml VEL im Schuss gegeben, zweite Infusion dann langsamer gestellt. Transport in Klinik mit Arbeitsdiagnose ""Hyperventilationssyndrom"" (als potenziellen Auslöser gibt der Patient eine relativ akute Konfliktsituation im Privatbereich an). Nebendiagnose Hypotonie, die ich bei fehlender Tachycardie dem Bereich vasovagal u/o hyperventilationsbedingt zuordne. In der Klinik stellt sich kurz später eine Aortendissektion heraus. Linksseitig war der RR bei der ersten Messung hyperton."
 Gedanken zur Analyse und zu Präventionsmöglichkeiten
Ein sehr interessanter Fall. Hier f√§llt einem spontan das Thema Fixierungsfehler ein. Hier hat sich der Melder auf eine Diagnose fixiert (die Hyperventilation, f√ľr die der Patient ja auch noch bereitwillig die Erkl√§rung geliefert hat) und hat damit andere Differentialdiagnose ausser Acht gelassen, obwohl der niedrige Blutdruck nicht zwingend ins Bild einer Hyperventilation gepasst hat. Eine Hilfe zur Vermeidung von Fixierungsfehlern k√∂nnte sein, zu reevaluieren, alle Daten zu korrelieren, also ab und zu mal ganz bewusst einen Schritt zur√ľckzutreten und zu √ľberpr√ľfen, ob denn alles noch zusammenpasst.
 PaSIS-Analyse in einzelne Analyseeinheiten aufgegliedert
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 · 3 Analyseeinheiten aus der Kategorie: Patient
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 Maßnahmen zum Fallbericht